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Psychatrische Tagesklinik, Hospiz, PalliativNETZ, Sanitätsgeschäft

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Ergebnisse des Bürgerdialogs

Im Herbst 2020 fand, veranstaltet vom Landkreis, organisiert von der Firma Translake aus Konstanz, ein so genannter Bürgerdialog zum Prozess der Weiterentwicklung des „Gesundheitszentrums Spaichingen“ statt.

Dessen Aufgaben: Neben den „gesetzten Punkten“, nämlich EAV / IGZ, Gewinnung von Ärzten für die EAV, solitäre Kurzzeitpflege und Zentrum für ambulante Operationen (ZAO), sollten von Bürgern der Stadt und Raumschaft Spaichingen – auch unter Beteiligung des Fördervereins Krankenhaus Spaichingen – Ideen und Konzepte entwickelt werden, welche weiteren Angebote in dem Gesundheitszentrum angesiedelt werden sollten.

Ablauf: Dazu wurden für einen ergebnisoffenen strukturierten Dialogprozess Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt und den Umlandgemeinden zufällig ausgewählt. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertreter der Stadt und der Verwaltung und einigen Fachleuten waren dies insgesamt 60 Personen. In der Dialoggruppe wurden in drei Sitzungen (davon die erste als Treffen, die anderen als Videokonferenzen durchgeführt) folgende, zu einzelnen Gruppen zusammengefasste Vorschläge erarbeitet:

Kurzzeitpflege mit rehabilitativen Schwerpunkt: Die rehabilitative Kurzzeitpflege deckt den Versorgungsbedarf der Menschen nach Krankenhausaufenthalt, bzw. um einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden. Rehabilitation ergänzt die Pflege und verbessert die Gesundheit und Selbstversorgung im Anschluss an die Kurzzeitpflege. Gelingt der rehabilitative und therapeutische konzeptionelle Ansatz, dann hat Spaichingen über die Landkreis-Grenzen hinweg ein Alleinstellungsmerkmal.

Ernährung, Bewegung, Entspannung: Die positive Wirkung von richtiger Ernährung, ausreichender Bewegung und Entspannung für die Gesundheit ist der Bevölkerung bewusster geworden und wird mehr und mehr nachgefragt. Zunehmend sind Menschen bereit, dafür zusätzlich Zeit und finanzielle Mittel zu investieren. Eine fachlich fundierte Betreuung stellt für die Bürger einen Mehrwert in der Gesundheitsversorgung dar.

Zentrale Anlaufstelle für Familien: Hilfe und Unterstützung für Familien beispielsweise in Erziehungsfragen, werden immer wichtiger. Es bestehen bereits (Landkreis-)Angebote wie „Frühe Hilfen“, „Stärke-Kurse“, Erziehungsberatung, „Bärenstark“ und andere. Eine Vernetzung der bereits bestehenden Angebote in einer Anlaufstelle – mit Sprechstunden, Erziehungsberatung, Fortbildungen, Austausch und zwanglosem Treff, Therapiemöglich-keiten bei Entwicklungsverzögerungen, Elterncafé uvm. – wäre sicher ein wertvolles Angebot für die Familien in Spaichingen und im gesamten Umland. „Bärenstark“ kümmert sich um Kinder mit Handicaps und Entwicklungsverzögerungen (ADHS, ADS, Motorikstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, etc.). Die derzeitigen Räumlichkeiten von „Bärenstark“ in Tuttlingen sind zu klein geworden. Eine enge Kooperation mit Kindergärten ist möglich. Der Bedarf ist sehr hoch bei Familien. Auch der Landkreis hat großes Interesse daran, diese Angebote am Gesundheitszentrum anzusiedeln.

Begegnungsstätte ist gedacht als Treffpunkt und Austauschplattform für Senioren, Menschen mit Behinderung, Integrationsprojekte für Flüchtlinge, Nachbarschaftshilfe, Ehrenamtliche HelferInnen, Selbsthilfegruppen, generationsübergreifende Projekte, somit für alle, die Hilfe suchen, aber auch Hilfe anbieten möchten und am Informationsaustausch interessiert sind. Als Treffpunkt und Austauschplattform kann eine solche Einrichtung zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt ehrenamtlicher Austauschangebote werden.

Kommentar: Ob sie im Gesundheitszentrum gut angesiedelt ist wird vom Landkreis eher in Frage gestellt. Allerdings hätten damit auch kulturelle Angebote wieder eine Ort, z.B. „Kultur&Klinik“

Ein Café, Imbiss, kleines Restaurant ist für den Betrieb des Gesundheitscampus von tragender Bedeutung und ist somit unerlässlich, da es in dem naheliegenden Umkreis das einzige gastronomische Angebot für Mitarbeiter, Patienten und Besucher wäre. Es soll hier auch „gesundes, regionales Essen“ für unterschiedliche Ansprüche angeboten werden.

Eine Notaufnahme „light“, d.h. ein Angebot außerhalb der Sprechzeiten der angesiedelten Arztpraxen zur Behandlung leichter Notfälle wurde gewünscht, wird aber angesichts der rechtlichen Rahmenbedingungen und Verantwortlichkeiten kaum umzusetzen sein. Eine Notfallpraxis ist in der Vergangenheit von der KV abgelehnt worden. Wichtig ist auf jeden Fall die Ansiedelung möglichst vieler Fachrichtungen im Gesundheitszentrum, und es sollten möglichst verlängerte Öffnungszeiten angeboten werden.

Der Einsatz von Patientenlotsen ist nach den Erfahrungen anderswo eine sinnvolle Option, um Patienten bei besonders schwierigen Krankheiten und Krankheitsverläufen in einem komplexen, segmentierten Versorgungssystem zu ihrem Leistungsanspruch zu verhelfen und die Wirksamkeit von Medizin und Pflege zu erhöhen. Dies betrifft geschätzt 5% aller chronisch Kranken. Aufgabe der Lotsin/ des Lotsen ist es, Patienten über ihre Krankheit zu informieren, die Versorgung zu koordinieren und als kontinuierlicher Ansprechpartner bereitzustehen.

Eine gut funktionierende zentrale Infrastruktur (EDV/IT, Datenschutz, Abrechnung, Medizintechnik, Hygiene, Qualitätssicherung) soll es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, sich umfassend um das Arztsein konzentrieren zu können. Eine solche gemeinsame Infrastruktur wird von der Geschäftsführung des Campus aufgebaut werden müssen.

Die Idee eines gesamttherapeutischen Zentrums zur umfassenden interdisziplinären Komplettversorgung mit verschiedenen Therapiemöglichkeiten, regelmäßigem Austausch und gemeinsamen Fallbesprechungen unter Nutzung gemeinsamer IT-Systeme, der Etablierung eines Labors sowie einer Radiologie enthält teils sehr sinnvolle, teils wohl heutzutage nicht mehr realistische Vorstellungen (z.B. Labor). Besonders eine Radiologie wäre hier ein wichtiges Angebot.

Jugendberatung: Es wurde die Idee eines übergreifenden Angebots für Jugendliche, junge Erwachsene und deren Bezugspersonen erarbeitet. Dieses soll besonders hilfesuchenden und benachteiligten Jugendlichen eine Anlaufstelle bieten und würde auf jeden Fall einen Mehrwert für Spaichingen bedeuten. Am Gesundheitszentrum gäbe es für die Jugendlichen daneben auch unterschiedliche gesundheitliche Angebote, ärztliche Versorgung und niederschwellige Beratungsmöglichkeiten. Sie könnten dort anonymer an die Anlaufstelle herantreten, und es wäre die Hemmschwelle niedriger, unterschiedliche Einrichtungen zu besuchen. Allerdings handelt es sich um eine kommunale Aufgabe, die eventuell auch andernorts besser untergebracht wäre.

Das Gesundheitsamt hat vielfältige Aufgaben und ist für die Gesundheit der Menschen sehr wichtig: Zuständigkeit u.a. für die Trinkwasserüberwachung, den Infektionsschutz, medizinische und Betreuungs-Gutachten, die Einschulungsuntersuchungen, die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen, die Schulungen in Lebensmittelhygiene u.a. für Ehrenamtliche in Vereinen. Da das Amt inzwischen aufgrund der Corona-Pandemie und der Verstärkung im Infektionsschutz stark angewachsen ist, kann es am bisherigen Ort in Tuttlingen nicht bleiben, weshalb der Kreis den Umzug in das Gesundheitszentrum Spaichingen vorschlägt, zumal es Synergien mit der Kindertherapieeinrichtung „Bärenstark“ gibt, welche ja ebenfalls dorthin umziehen soll.

Die Finanzierung der Umsetzung des Gesundheitscampus Spaichingen ist eine der wichtigsten Aufgaben der zukünftigen Geschäftsführung des Gesundheitszentrums. Dabei sollen auch Fördermöglichkeiten erschlossen werden. Das Gesundheitszentrum soll mit seinen Anbietern so strukturiert werden, dass es mittelfristig selbst wirtschaftlich tragfähig ist, unter Ausnahme der öffentlichen Aufgaben des Landkreises.

Der Vorschlag des Aufbaus einer zentralen Abrechnung für die anzusiedelnden Praxen / MVZ wurde vom Landkreis eher zurückhaltend beurteilt, da nicht klar ist, welche Angebote insgesamt Interessierten gemacht werden können. Denn es kann dies die Abrechnung sein, wichtig könnten aber auch andere Themen sein wie zum Beispiel Datenschutz, EDV/IT, Hygiene, Qualitätssicherung und Medizintechnik. Das Angebot sollte aber aus Gründen der Kompetenz nicht selber aufgebaut werden, sondern ggf. mit Spezialisten und Kooperationspartnern überlegt werden.

Es wurde die Idee entwickelt, dass es sinnvoll sei, die Wäscheversorgung zentral für alle Beteiligten zu regeln. Allerdings sind die Anforderungen der Praxen, der EAV und der Patienten so unterschiedlich, dass dieser Vorschlag eher nicht verwirklicht werden kann.

Zusammenfassend werden wohl „Notaufnahme light“, Jugendberatung, zentrale Abrechnung und Wäscheversorgung eher nicht verwirklicht werden. Leider wurde auch eine zentrale Begegnungsstätte für eher weniger wichtig beurteilt. Allerdings könnte sich dafür der Förderverein sinnvoll gestalterisch einbringen.