Zum Förderverein Krankenhaus (Gesundheitszentrum) Spaichingen e.V.

Die Vergangenheit

Januar 2019: Die Nachricht: „Das Krankenhaus Spaichingen wird geschlossen und nach Tuttlingen verlagert“ löste einen Aufschrei der Bevölkerung im nördlichen Landkreis aus. Der Landkreis hat versucht, seine Absicht durch die Lage mit ökonomischen und personellen Engpässen und Zwängen zu erklären. Er konnte damit aber nicht wirklich überzeugen. Eine Klinikinitiative sammelte dagegen Unterschriften. Weit mehr als 10.000 Stimmen wurden für den Erhalt des Krankenhauses abgegeben.

März 2019: Der Kreistag entschied unter dem Druck der Öffentlichkeit, statt gleich zu schließen, ein Gutachten zur Zukunftsfähigkeit des Klinikums in Auftrag zu geben. Diesen Auftrag erhielt das Unternehmen Oberender

Das war der Start-Moment für den „Förderverein Krankenhaus Spaichingen e.V.“ (FÖVKS). Bis zum Sommer sind fast 500 Mitglieder dem Verein beigetreten. Seit dieser Zeit bemüht sich der Förderverein aktiv und an vielen Stellen um eine bessere Gesundheitsversorgung im Raum Spaichingen.

Mai 2019: Die Kreistagswahl veränderte die Zusammensetzung des Kreistags

Juni 2019: Das Gutachten der Firma Oberender wurde vorgelegt und plädierte für eine Umwandlung des Standorts Spaichingen in ein „Intersektorales Gesundheitszentrum“ (IGZ) im Rahmen einer „Erweiterten ambulanten Versorgung“ (EAV)

Der Förderverein organisierte zwei große und gut besuchte Foren zur Gesundheitsversorgung (18. 7. und 9.10.). Die Referenten verurteilten durchweg die ökonomisch orientierten Entscheidungen im Medizinbetrieb und insbesondere die Schließungsabsicht.

Oktober 2019: Der Kreistag beschloss dennoch das Konzept des Oberender-Gutachtens mit Umzug der zentralen Abteilungen nach Tuttlingen, wie ursprünglich angekündigt. Der Umzug nach Tuttlingen wurde sofort eingeleitet und im Dezember 2019 vollzogen. Der Förderverein hat diese Entscheidung im Einklang mit zahlreichen öffentlichen Äußerungen von Bürgern sehr bedauert, denn eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung war für uns dabei noch nicht zu erkennen.

Der Istzustand

Nach einem gründlichen Prozess der Meinungsbildung festigte sich im Vorstand des FÖVKS der Wille, aus der neuen Lage heraus die bestmögliche Lösung für eine zukunftssichere Gesundheitsversorgung der Region zu erreichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die gemachten Versprechen eingehalten werden.

Die erste Entscheidung dazu fiel auf dem Höhepunkt der ersten Welle der Corona-Pandemie. Angesichts von Engpässen auf den Intensivstationen auch der Raumschaft wurde vom Verein ein Beatmungsgerät gestiftet. Der Entscheidung des Vorstands dazu stimmten die Mitglieder und die Öffentlichkeit mit großer Mehrheit zu.

Es gibt nun viel zu tun, um schlüssige und zukunftsfähige Lösungen zu finden und aufzubauen. Ideen sind uns und dem Kreis willkommen. Dafür initiierte auch der Landkreis einen Dialogprozess. Ein „Bürgerdialog“ mit zufällig ausgewählten Personen aus Spaichingen und Umland und Experten traf sich im Herbst 2020 wiederholte Male und erarbeitete Vorschläge in Form eines Konzeptpapiers, über das der Gemeinderat Spaichingen sowie der Kreistag entschieden haben. Der Förderverein konnte sich hier gut einbringen. Wir sind uns sicher, dass unsere Mitarbeit mit den Gremien dazu führen wird, viele unserer Vorstellungen zu realisieren.

Unzufrieden ist der Förderverein aber mit den nur sehr langsamen Entscheidungsprozessen. Daher steht fast noch komplett die Umsetzung der ursprünglichen Kreistagsbeschlüsse aus, ein IGZ und eine solitäre Kurzzeitpflege aufzubauen. Die Probleme, geeignete Ärzte für die ärztliche Besetzung des IGZ zu gewinnen, sind groß und waren bisher noch nicht ansatzweise erfolgreich. Bedenken bereitet auch der voraussichtlich riesige Finanzbedarf für den Umbau des Campus und Aufbau der geplanten neuen Strukturen. Ausdrücklich begrüßt wird die zukunftssichere Entscheidung, das Zentrum für ambulante Operationen (ZAO) als „gesetzten“ und zentralen Bestandteil des Gesundheitscampus Spaichingen festzulegen.

Unsere Vision für Spaichingen

Unser bisheriges Krankenhaus wird als Gesundheitszentrum wieder stärker, vielseitiger, dem Bedarf entsprechender, und damit ein Anziehungspunkt für alle Menschen, die Gesundheit suchen, bestens verankert in der Raumschaft.

Ambulantes Operieren wird in Zukunft stetig an Bedeutung gewinnen und attraktiver gefördert werden. Daher werden künftig stetig mehr Eingriffe auch durch jetzt noch nicht vertretene Disziplinen kompetent, einfach und schnell durchgeführt und so die Patienten bestens und ihren Bedürfnissen entsprechend behandelt werden.

Notfall- oder Unfall-Behandlung wird in vielen Fällen tagsüber wieder vor Ort im Gesundheitszentrum erledigt werden können. Wie bisher werden auch künftig Patienten zu komplizierten und aufwendigen Operationen nach Tuttlingen oder in spezialisierte auswärtige Kliniken gebracht werden müssen.

Ein herzliches Klima wird wie in der Vergangenheit im Gesundheitszentrum Spaichingen herrschen, und jede Patientin und jeder Patient wird persönlich und individuell betreut werden. Dafür stehen die künftig am Standort angebotenen Teilaufgaben und Begriffe wie Begegnungsstätte, Anlaufstelle für Familien, Kurzzeitpflege, Lotse/Lotsin im interdisziplinären Entscheidungs- und Verteilungszentrum, Jugendberatung, Ernährung, Bewegung, Entspannung und Notaufnahme „light“.

Jürgen Elsner und Dr. Albrecht Dapp